Institutionelle Investoren: Gut oder schlecht fürs Investment?

Inhalt

Institutionelle Investoren als Eigentümer Vorteile Nachteile

Peter Lynch schreibt ja in One Up on Wall Street bzw. in seiner finalen Checkliste, dass er Investitionen in Unternehmen meidet, deren umlaufende Aktien zum Großteil den so genannten institutionellen Investoren – also den großen Pensionsfonds, Investmentfonds oder auch den großen Stiftungen – gehören. Mir war nun nicht direkt klar, aus welchen Gründen dies ein Warnsignal sein sollte und habe deshalb ein wenig nachgeforscht.

In diesem Artikel gehe ich also einmal auf die Vor- und Nachteile von hohen Eigentumsanteilen der institutionellen Anleger ein.


Was du in diesem Artikel lernst

  • Welchen Anteil institutionelle Investoren heute am Gesamtmarkt haben
  • Warum zunehmende Investitionen durch die großen Institutionen zunächst mal gut für eine Aktie sind
  • Welche Warnsignale wir im Hinblick auf den Eigentumsanteil der institutionellen Anleger beachten sollten

Wie wichtig sind die institutionellen Investoren eigentlich?

Laut einer Studie der SEC hat der Besitzanteil der institutionellen Investoren seit 1950 von 8% auf fast 70% zugelegt. Das heißt ein Großteil der Unternehmen in den USA befindet sich im Besitz von großen Investmentgesellschaften (wie Blackrock, Fidelity, Union Investment etc.), Pensionskassen (z.B. Ontario Teachers, Government Pension Fund Norwegen) oder auch Stiftungen (z.B. Harvard etc.). Mit großer Wahrscheinlichkeit wird der Trend in Deutschland ähnlich sein.

Für Großunternehmen fällt der Anteil sogar nochmal etwas höher aus.


Vorteile institutioneller Miteigentümer

Zunächst mal muss ein zunehmendes Interesse von institutionellen Investoren an einer Aktie nicht immer unbedingt schlecht sein. Es kommt hier glaube ich auf den Zeitpunkt der Betrachtung und auf unseren Standpunkt an.

Typischerweise wird es den Aktienkurs eines Unternehmens erstmal beflügeln, wenn große Investmentfonds, Pensionsfonds oder Hedge Fonds damit beginnen, sich für eine Aktie zu interessieren und ihren Eigentumsanteil über Zeit ausbauen.

Neben dem eigentlichen Kauf spielt dann natürlich auch die mediale Komponente eine große Rolle.

Wie oft habt ihr schon im Börsenfernsehen, bei CNBC oder bei Bloomberg ein Interview mit einem bekannten Portfolio-Manager gesehen, der zu einer bestimmten Aktie befragt wird und uns die Gründe für sein Investment darlegt? Natürlich geht es hierbei nicht nur um den Bildungsauftrag des Fernsehsenders. Solche Empfehlungen ziehen oft weitere Käufer an und stützen den Kurs weiter (es besteht also auch ein gewisses Eigeninteresse des Portfolio-Managers).

Ihr seht schon die Implikationen: Wenn wir da zu einem frühen Zeitpunkt bereits investiert sind, kann dieser Effekt für unser Investment sehr positiv sein.

Ansonsten sind aber hohe Eigentumsanteile von institutionellen Investoren eher kritisch zu beurteilen. Das gilt übrigens auch für die Investment-Entscheidungen der Institutionen. Diese basieren nämlich oft nicht auf einer ausschließlich rationalen Analyse der Unternehmen, sondern werden zum Großteil auch von externen Faktoren beeinflusst.


Nachteile bzw. Warnsignale

Welches sind nun die wesentlichen Warnsignale, die wir im Hinblick auf institutionelle Investoren im Hinterkopf behalten sollten?

Im Grunde genommen geht es dabei vor allem um zwei Punkte. Zum einen besteht durch institutionelle Investoren mit einem hohen Anteil am Gesamtunternehmen immer das Risiko eines unerwarteten Ausstiegs und damit verbundenen Preisrückgangs. Zum anderen kann darüber hinaus das zukünftige Wachstumspotenzial durch die oft vorhandenen Rebalancing-Mechanismen stark begrenzt sein.

Hier die Beschreibung der Nachteile im Detail.


Erhöhte Volatilität

Institutionelle Investoren bauen ihre Positionen meist über mehrere Wochen bzw. Monate auf, um den Einfluss auf den Aktienkurs gering zu halten. Über Zeit und mit steigendem Aktienkurs kommen dann weitere Institutionen hinzu.

Wenn ein institutioneller Investor sich aber dazu entschließt zu verkaufen, dann kann das ganz schnell gehen und einen signifikanten negativen Effekt auf den Preis haben. Zum Beispiel hat Carl Icahn in 2004 seine Anteile an Mylan Labs in einer Nacht- und Nebelaktion verkauft und damit einen größeren Kurssturz ausgelöst.


Teilweise nicht auf den Fundamentals beruhende Verkaufsentscheidungen

In vielen Fällen basieren solche Verkaufsentscheidungen außerdem nicht (ausschließlich) auf sich verschlechternden Fundamentaldaten des Unternehmens. Oft sind es z.B. auch interne Performancevorgaben, die einen Portfolio-Manager dazu bringen können, einen fundamental soliden Wert kurz vor Quartalsende zu verkaufen.


Generell begrenztes Wachstumspotenzial durch Rebalancing

Oft haben institutionelle Investoren auch recht starre Regeln, wenn es um die Zusammensetzung des Portfolios ihrer Fonds geht. Wird z.B. im Prospekt eines Investmentsfonds ein Aktienanteil in den Emerging Markets von 20% beschrieben, dann wird die Fondsgesellschaft diesen Anteil auch einhalten und dem entsprechend das Portfolio regelmäßig neu gewichten. Bei Pensionsfonds oder auch Stiftungsvermögen sind die Regeln in der Regel sogar noch strikter.

Das heißt, dass gut gelaufene Aktien regelmäßig verkauft und durch weniger gut gelaufene Aktien ersetzt werden.

Durch dieses so genannte Rebalancing wird dem entsprechend das Wachstumspotenzial limitiert, da ab einem gewissen Punkt ein entsprechender Verkaufsdruck bei den Institutionen entsteht.


Fazit

Der weitaus größte Teil der im Umlauf befindlichen Aktien ist heute in der Hand der so genannten institutionellen Investoren.

Grundsätzlich ist ein einsetzenden Interesse der institutionellen Anleger an einem Unternehmen erstmal förderlich für den Aktienkurs.

Langfristig gesehen ist aber ein hoher Anteil institutioneller Investoren eher negativ zu bewerten, weil dadurch in der Regel das Wachstumspotenzial des Aktienkurses begrenzt wird und darüber hinaus ein gewisses Preisrisiko entstehen kann.

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